Archiv für die Kategorie ‘Aus meinem Postfach’

Einladung zur persönlichen Recherche vor Ort für 2 Personen

2. Juli, 2008

Neben dem Motorjournalismus gilt ja der Reisejournalismus als besonders anfällig für – sagen wir mal Gefälligkeiten.

Warum nur muss auch jedes Vorurteil, denn um ein solches handelt es sich zweifellos, wie jeder Reisejournalist auf Anfrage bestätigen wird, warum nur also muss jedes Vorurteil sogleich bestätigt werden, kaum dass man es erwähnt hat?

Hier ein Beispiel wie knallharter Journalismus betrieben wird: Lassen Sie sich doch mal einladen, und zwar vom Objekt ihrer Recherche. Dann können Sie gleich viel besser recherchieren, es fallen ja keine Spesen an. Und damit Sie auch noch den Kontakt zur Liebsten / zum Liebsten nicht verlieren, wird diese(r) auch gleich mit vor Ort sein. So eine räumliche Trennung kann ja sonst sehr weh tun. Wenn sie sogar über zwei Tage geht.

Also – hier das Angebot (Namen von mir geXt):

Geschätzte Journalisten, liebe Freunde!

Seit wann sind wir Freunde?

Das Wohlfühlhotel XXXXX bietet die perfekte Kombination aus Outdoor-Möglichkeiten, Wellness, Gourmet und Familienurlaub. 

Nachstehend finden Sie unser Leseranbot für Ihr Medium. Wir würden uns sehr freuen wenn Sie dieses Angebot redaktionell verwenden können.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: mit „Leser“ sind hier die angesprochenen Journalisten gemeint.

EINLADUNG ZUM „KURZURLAUB“

Machen Sie sich direkt vor Ort ein Bild vom Hotel und der Umgebung. Wir laden Sie – mit Begleitung – zur Presserecherche im XXXXX ein. Die Einladung gilt für 2 Personen / 2 Nächte inklusive HP.

Zur „Presserecherche“ – einfach unbezahlbar.

Wenn Sie Lust und Zeit für einen Kurzurlaub im XXXXX haben geben Sie uns bitte Ihren Terminwunsch bekannt und wir überprüfen die Verfügbarkeit.

Immerhin steht hier nun „Kurzurlaub“ – ein Lapsus? Ein Anfall von Ehrlichkeit?

Mit bestem Dank für die gute Zusammenarbeit!

Gerne. Wer sich darauf einlässt, wird sicher unbefangen seinen Artikel über das „Wohlfühlhotel“ verfassen.

Nackenbeisser

2. Juli, 2008

So heissen die heissen Schwarten, in denen gestählte Helden mit offenem Hemd wohlgeformten rassigen Frauen – nun eben in den Nacken beissen. Auf jedem Cover abgebildet. Danke für den schönen Begriff an eine Anonyma.

Hier zwei schöne aber durchaus repräsentative Exemplare der literarischen Gattung „Nackenbeisser“:

Job Title des Tages

2. Juli, 2008

Man hat sich ja so langsam an die „Directors“ und „Vice Presidents“ in deutschen Unternehmen gewöhnt. Bei Pro7 / Sat1 gibt’s allerdings etwas ganz feines – einen

Senior Vice President Factual in der German Free TV Holding

Eigentlich stört nur das ungewohnt deutsche „in der“ in dem Breitwand-Titel. Haben die Kollegen da was vergessen in ihrem Internationalisierungswahn? Kapiert eigentlich noch jemand, wofür der Titel steht? Und ist das überhaupt wichtig?

Supercomputer darf nicht Roadrunner heißen

18. Juni, 2008

Eine Posse der niedlichen Art leistet sich die Rechtsabteilung von Time Warner. Sie verbietet es IBM, ihren neuen Supercomputer „Roadrunner“ zu nennen. Dieser Supercomputer ist der derzeit schnellste Rechner, und die IBM-Ingenieure haben sich wohl an das Fernsehprogramm ihrer Kinderzeit erinnert, aber nicht mit der Humorlosigkeit bei Time Warner gerechnet. Die machen Markenrecht an ihrer Zeichentrickfigur geltend und übersehen dabei, dass sie lächerlich machen. In diesem Spiel sind sie der Coyote.

Mehr zu Roadrunner (meep, meep), hier im Bild

Mehr zum „sogenannten“ Roadrunner

Genial einfach: Elektroroller E-Max

10. Juni, 2008

Endlich macht mal einer was – ein wirklich brauchbarer Elektro-Roller zu vernüftigem Preis:

Der E-Max leistet 4 PS, ist wegen der dämlichen Regelung in Deutschland auf 45 kmh Höchstgeschwindigkeit gedrosselt (kleines Versicherungskennzeichen), fährt mit einer Akkuladung rund 50 Kilometer weit, ist in drei Stunden wieder aufgeladen und damit das ideale Pendlerfahrzeug. Ach ja, und bezahlbar ist er auch – rund 3.000 € kostet der E-Max. Und für die Pfenningfuchser – auf 100 Kilometer Fahrstrecke verbraucht er Strom für 55 Cent.

Dabei handelt es sich nicht um ein Experimentalfahrzeug – in China sollen bereits mehr als 23 Millionen E-Maxe unterwegs sein, in manchen Innenstädten seien keine anderen Roller erlaubt, so Spiegel Online.

Mehr Infos auf der Website E-Max der Elektroroller

Deutschlands bestgebügelter Mann gesucht

9. Juni, 2008

So – und genau so – steht’s in der Pressemitteilung:

sie sehen gut aus, sie sind sexy und sie werden begehrt – Männer in frisch gebügelten Anzügen. Und erst richtig Eindruck machen sie dann, wenn sie ihre Anzüge selber bügeln. Jetzt gibt es einen Wettbewerb, bei dem bügelnde Männer ihr Können unter Beweis stellen können: Die Firma Hailo sucht Deutschlands bestgebügelten Mann.

Es gibt auch was zu gewinnen. Ein „Bügelsystem“. Was auch immer das sein mag. Zum Gesamtkunstwerk wird die Mitteilung durch das beigefügte Bild:

 

Hepatitis B im Bundestag

5. Juni, 2008

Schocker – unsere Volksvertreter infiziert mit Hepatitis B – so stehts über der Fax-Pressemitteilung die mich gerade erreicht.

Wer nicht weiss, was das bedeutet, hier ein Auszug aus GesundheitPro:

Die Hepatitis B ist eine weit verbreitete Leberentzündung, verursacht durch das Hepatitis-B-Virus. Übertragen wird die Erkrankung vor allem beim Geschlechtsverkehr und bei Bluttransfusionen, aber auch durch den Gebrauch von gemeinsamen Zahnbürsten und Rasierapparaten durch kleinste Haut- oder Schleimhautverletzungen. Auch beim Tätowieren kann es zur Infektion kommen. 

Hier geht’s zum gesamten Artikel: Hepatitis B

Ein schweres Schicksal für unsere Volksvertreter… Aber Halt! Entwarnung! In der immerhin schon 4. Zeile steht, dass nur die neuen Europäischen Empfehlungen zu Hepatitis B im Bundestag vorgestellt wurden.

Glückwunsch zu dieser Pressemitteilung. Ich freue mich schon auf Überschriften in Pressemitteilungen wie „Terror im Bundestag“ oder „Überschwemmung im Bundestag“. 

Ze drem of a united urop vil finali kum tru.

5. Juni, 2008

Aus vertraulicher Quelle 

XXXXX XXXXX (Name unkenntlich gemacht)

Public Relations Officer
Soldiers, Sailors, Airmen and Families Association (SSAFA) – Forces Help
19 Queen Elizabeth Street
London SE1 2LP

European Commission has just announced an agreement whereby English will be the official language of the European Union rather than German, which was the other possibility.

As part of the negotiations, the British Government conceded that English spelling had some room for improvement and has accepted a 5- year phase-in plan that would become known as „Euro-English“.

In the first year, „s“ will replace the soft „c“. Sertainly, this will make the sivil servants jump with joy.

The hard „c“ will be dropped in favour of „k“. This should klear up konfusion, and keyboards kan have one less letter.

There will be growing publik enthusiasm in the sekond year when the troublesome „ph“ will be replaced with „f“. This will make words like fotograf 20% shorter.

In the 3rd year, publik akseptanse of the new spelling kan be expekted to reach the stage where more komplikated changes are possible.

Governments will enkourage the removal of double letters which have always ben a deterent to akurate speling.

Also, al wil agre that the horibl mes of the silent „e“ in the languag is disgrasful and it should go away.

By the 4th yer people wil be reseptiv to steps such as replasing „th“ with „z“ and „w“ with „v“.

During ze fifz yer, ze unesesary „o“ kan be dropd from vords kontaining „ou“ and after ziz fifz yer, ve vil hav a reil sensibl riten styl.

Zer vil be no mor trubl or difikultis and evrivun vil find it ezi tu understand ech oza. Ze drem of a united urop vil finali kum tru.

Und efter ze fifz yer, ve vil al be speking German like zey vunted in ze forst plas.

If zis mad you smil, pleas pas on to oza pep

Weitsichtige Planung

30. Mai, 2008

Klinikkonzern Vivantes strukturiert bis 2015 um:

„Standortentwicklungskonzept“ sichert Zukunft des Unternehmens

Das nenn’ ich weitsichtig. Börsennotierte Unternehmen müssen alle drei Monate neue Visionen und Konzepte präsentieren, hier hat man sieben Jahre Zeit. Das es sowas noch gibt…

Sensation: Zu geringer Salzverzehr bringt Herz und Gefäße in Gefahr

29. Mai, 2008

Das vermeldet – na wer wohl? Der Verband der Kali- und Salzindustrie e.V., Berlin. Eine absolut neutrale und objektive Institution bei diesem Thema. 

Der Verband bezieht sich  dabei auf die amerikanische NHANES III-Studie, eine groß angelegte Beobachtungsstudie bei knapp 9.000 US-Bürgern, die angeblich „ein besonders hohes Sterblichkeitsrisiko bei Menschen, die sehr wenig Kochsalz zu sich nehmen“ zeigt. Statistisch eindeutig sei der Zusammenhang zur salzarmen Kost bei Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislaufkomplikationen.

So weit, so richtig. Was die Kollegen in der Pressestelle aber mal wieder durcheinanderwürfeln sind die Begriffe „Wirkungszusammenhang“ und „Korrelation“. Statistisch eindeutig sei der „Zusammenhang“ zwischen dem Merkmal „salzarme Kost“ und „Todesfälle durch Herz-Kreislaufkomplikationen“. Genau das ist aber falsch. Was hier festgestellt wurde, ist dass Menschen, die extrem salzarm essen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch an Herz-Kreislaufkomplikationen sterben.

Es kann damit nicht gezeigt werden, dass die salzarme Kost die Ursache für die Todesfälle war. Hier wird eine Zusammenhang vermutet, den die Studie nicht hergibt. Solche lustigen Korrelationen gibt es übrigens häufiger als man vermuten würde. Ein besonders schönes Beispiel: Zu Beginn der 70er Jahre ging die Storchenpopulation in Deutschland wegen der Umweltverschmutzung zurück. Parallel dazu sank die Geburtenrate. Liegt ja auf der Hand – da der Storch die Babys bringt, musste die Geburtenrate sinken.

Möglicherweise gibt es bei der amerikanischen Studie einen oder mehrere weitere Faktoren, die sowohl bei extrem salzarm essenden Menschen, als auch bei Menschen, die an Herz-Kreislaufkomplikationen sterben, wirken.

Weiterhin ist es in unserer Zivilisation kaum möglich, salzarm zu essen. Und echte Ursache-Wirkungen-Zusammenhänge kann man z.B. hier nachlesen:

Bluthochdruck: Warum Salz oft schadet